Rekurrensparese - Risiko einer Schilddrüsen-OP

Die intraoperative Schädigung des Nervus Laryngeus recurrens stellt die schwerwiegendste Komplikation nach einer Schilddrüsenoperation dar. Anatomisch liegen Schilddrüse und dieser Stimmbandnerv sehr nahe beieinander. Der nur wenige Millimeter dicke Stimmbandnerv kann leicht verletzt oder sogar durchtrennt werden. Die Stimmbänder sind dann aufgrund der fehlenden Enervierung gelähmt, was Stimm- und Atemfunktion als erhebliche Behinderung zur Folge haben kann. In vielen Fällen ist sie vorübergehend, sie kann aber auch zu einer lebenslangen Beeinträchtigung führen, wenn der Nerv endgültige geschädigt wurde.
ema Mögliche Störungen und Komplikationen nach der Operation zu entnehmen:
"Schädigung der Stimmbandnerven:
führt zu einer vorübergehenden oder bleibenden Stimmbandlähmung. Die einseitige Stimmbandlähmung hat Heiserkeit, Sprach -, Schluckstörungen und selten Atemnot zur Folge.
Bei einer beiseitigen Stimmbandlähmung hingegen ist mit stärkerer Atemnot und langwierigen Problemen zu rechnen, die meist operative Eingriffe an Stimmbändern oder Luftröhre erforderlich machen."


Patientenaufklärung

Eine frühzeitige und gründliche Patientenaufklärung ist daher von großer Bedeutung. www.leitlinien.web
„Ziel der operativen Behandlung ist die sichere und dauerhafte Beseitigung der zugrunde liegenden Schilddrüsenerkrankung unter Vermeidung der Hauptkomplikationen der Schilddrüsenoperation, der Recurrenspares und des Hypoparathyreoidismus.
Das Abwägen der verschiedenen Therapieoptionen und die Empfehlung für eine operative Behandlung sind ebenso wie die Abschätzung des individuell möglichen Komplikationsrisikos und die Art der zu erwartenden Nachbehandlung Bestandteil des rechtzeitig und eingehend mit dem Patienten zu führenden Aufklärungsgesprächs.“
Dokumentierte Patientenaufklärung
Bestell-Nr. 605-433
Bestell-Adresse: perimed Compliance Verlag Dr. Straube GmbH, Weinstraße 70, 91058 Erlangen, Tel. 09313 / 609-202, Fax 609-217


Mögliche Komplikationen

Heiserkeit
Reizhusten
Atemnot
Atemgeräusche beim Einatmen (Stridor)
Schluckstörungen

 


Ein „beleidigter“ gelähmter Nerv?
Einseitige / beidseitig: Auswirkung auf Atem und Stimme

Es können nach einer Schilddrüsenoperation entweder ein Stimmband oder beide Stimmbänder von der Lähmung betroffen sein. Man spricht dann von einer einseitigen bzw. beidseitigen oder doppelseitigen Stimmbandlähmung.
Bei einer einseitigen Stimmbandlähmung hängt es von der Stellung des gelähmten und vom der Beweglichkeit (Kompensationsgrad) des gesunden Stimmbandes ab, inwieweit eine Stimmbildung (Phonation) möglich ist. Da das gelähmte Stimmband nicht mehr in der Lage ist, sich dem gesunden ganz anzunähern, klingt die Stimme heiser und ist nicht mehr voll belastbar.

Wenn sich im Vergleich zur beidseitigen Stimmbandlähmung das eine enervierte Stimmband beim Einatmen noch ausreichend weit öffnet, ist Atemnot weniger das Problem als vielmehr die schlechte Stimmqualität. Oft ist es durch eine gute logopädische Therapie sogar möglich, das gesunde Stimmband in seiner Beweglichkeit soweit zu trainieren, dass es sich dem gelähmten fast völlig annähern kann und es dadurch zu einer Verbesserung der Stimmqualität kommt.

Wenn bei einer beidseitigen Stimmbandlähmung zwischen den Stimmlippen nur noch eine schmale Stimmritze (Glottis) besteht (1-3mm), die sich beim Einatmen nicht mehr vergrößert, kann die Phonation sogar recht gut sein. Doch leiden die Betroffenen bereits bei der geringsten körperlichen Belastung (z.B. Treppensteigen), Sprechen, Anspannung unter Atemnot.


Nächtlicher Stridor Schnarchen Apnoe

charakteristisches lautes Einatmungsgeräusch (inspiratorischer Stridor)


Therapiemöglichkeiten

Atemtherapie
Logopädische Stimmübungstherapie evtl. in Kombination mit einer Elektrotherapie (Galvanisation)  zur Verbessern und Kräftigung der Stimme.
Der „beleidigte Nerv“ kann sich innerhalb eines Jahres wieder erholen, so dass es zu einer Rückbildung der Lähmung kommt.
Ist der Nerv abgetrennt, ist die Lähmung der Stimmlippen irreversibel.

Atemtherapie und Logopädische Stimmübungen sollten dennoch in regelmäßigen Abständen fortgesetzt werden.
 
Erfahrungsgemäß haben sich Yoga, Tai chi, Qi Gong, Mantrasingen, Feldenkrais, Entspannungsübungen als sehr hilfreich erwiesen.


Weitere operative Eingriffe

Operative Maßnahme (nach 1 Jahr) bei irreversibler Lähmung zur Verminderung der Heiserkeit mit dem Ziel, die betroffene Stimmlippe der gesunden so weit anzunähern, dass unkontrolliertes Entweichen der Luft vermieden werden kann.
Stimmlippenunterfütterung = Einbringen von pastösen Substanzen unter die Schleimhaut, jedoch mit unbefriedigendem Langzeitergebnis, da die Substanz entweder resorbiert wird oder sich unkontrolliert unter der Schleimhaut verteilt.
Verlagerung der betroffenen Stimmlippe durch einen Zugang von außen. Implantat von körpereigenem Material oder Fremdmaterial (Metalllegierungen, Polymerisate, Prothese Hydroxylapatit erstmals an der HNO-Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Wien, wird vom Körper wie eigenes Gewebe aufgenommen).
Bei der beidseitigen Stimmbandlähmung steht die Sicherung der Atmung im Vordergrund, d.h. Erweiterung der Stimmritze Die Stimmlippe wird zur Seite gezogen und fixiert, Lateralfixation Endolaryngeal Laserentfernung eines Teils einer Stimmlippe im hinteren Stimmlippendrittel (wodurch der Querschnitt der Stimmritze vergrößert wird). Sämtliche kehlkopferweiternden Operationen verbessern die Atmung, verschlechtern jedoch die Stimme. Tracheotomie / Luftröhrenschnitt


Untersuchungsmethoden

Bildgebende Verfahren, Ultraschall, Lungenfunktionsprüfung, Stroboskopie, Endoskopie, Myographie, etc.)


Juristisches …

Allgemeine Information zur FMH - Gutachterstelle